Ein zufälliger Werdegang mit viel Zuversicht

Peter Stucki, Studienplaner am Dekanat der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern
© Universität Bern. Bild: Daniel Rihs

Peter Stucki

Studienplaner am Dekanat der Vetsuisse-Fakultät

Dr. Peter Stucki ist seit 1999 Studienplaner am Dekanat der Vetsuisse-Fakultät (100%). Er ist verantwortlich für den Lehrbetrieb, die Durchführung der Prüfungen sowie die Qualitätssicherung im Lehrbereich. Er ist die Anlaufstelle für Studierende und arbeitet bei der Entwicklung des neuen Studiengangs mit. Peter Stucki ist Vater von zwei erwachsenen Söhnen (25 und 20 Jahre).

 

Was mögen Sie an Ihrer Arbeit besonders?  

Meine Aufgaben sind sehr vielfältig, ich kann sehr autonom handeln. In der Lehrkommission, beim Vizedekan Lehre und im Dekanat wird meine Meinung respektiert. Zudem bin ich in Kontakt mit vielen Leuten ausserhalb der Fakultät.

Inwiefern ist Ihre Laufbahn vom „klassischen“ akademischen Weg abgewichen?

Ich habe ursprünglich in der Veterinärmedizin doktoriert und anschliessend zwei Jahre lang in der Praxis gearbeitet, was mir nicht entsprach. Das war schlimm für mich, weil meine Generation noch sehr fixiert war auf die klinische Tätigkeit als einziger erfolgreichen Berufsweg. Nach meinem Ausstieg aus der Praxis arbeitete ich in verschiedenen Funktionen in der Bundesverwaltung, im Artenschutz und als Grenztierarzt in Basel, wo es um Import und Export von Tieren und tierischen Produkten ging, von Fleischimporten bis zur Kontrolle von Jagdtrophäen zum Import. Auch dort fühlte ich mich eher fehl am Platz. Allerdings konnte ich neben meiner Arbeit beim damaligen Berner Lokalradio „Radio Förderband“ mitwirken. Da wurde ich mir meiner Affinität zum Vermitteln von Inhalten mittels verschiedenster Medien bewusst, fragte mich aber, wo ich das umsetzen könnte. Nach einem kurzen Praktikum beim Fernsehen fand ich eine Stelle bei der Abteilung für Unterricht und Medien (AUM) am Institut für Medizinische Lehre. Dort habe ich die Produktion von Lehrmitteln für Studierende als mediendidaktisch Verantwortlicher mitbetreut und versucht, die Tätigkeiten und Aufgaben der Abteilung zu erweitern. Ich erhielt die Möglichkeit, einen Masterstudiengang in Medical Education Maastricht zu absolvieren. Leider musste ich bald einsehen, dass sich das Studium und die neu gegründete Familie nicht unter einen Hut bringen liessen. Und ich wusste, dass ich die Universität würde verlassen müssen und dass eine weitere Karriere an der Uni schwierig werden würde. Ich suchte mir eine Anstellung in der Privatwirtschaft, in einer Firma, die betriebsinterne Weiterbildungen entwickelte. Dort war ich zuständig für Konzepte, aber auch für die Gestaltung von Schulungsunterlagen und die Beratung bei Schulungen. Im Zuge einer Umstrukturierung wurde ich entlassen. Nach mehrmonatiger Suche fand ich dann meine Traumstelle, die es bis jetzt geblieben ist: als Curriculumkoordinator (so nannte ich meine Stelle) an der Vetsuisse-Fakultät, meiner Alma Mater. Das war ein riesiger Glücksfall, weil meine Qualifikationen, Erfahrungen, mein Wissen und meine Beziehungen dem Stellenprofil und den Anforderungen entsprachen und ich wieder in einer universitären Umgebung arbeiten konnte, was mein grosser Wunsch war – keine Spur von geplanter Karriere, viel Glück und Zufall.

Welche Hindernisse gab es und wie haben Sie diese überwunden? 

Dem Masterstudiengang in Holland nicht bis zum Ende folgen zu können war enttäuschend.  Grundlegendes Wissen konnte ich mir später im Berner Masterstudiengang aneignen. Ich war bereits 47, als ich die Stelle in der Industrie verlor. Die Zeit der Arbeitslosigkeit mit Haus und Hof war schwierig. Geholfen hat mir, dass ich nie meine Seele verkauft habe und immer die Zuversicht behielt, die Stelle zu finden, die meinen Interessen und Neigungen entspricht.

Worin sehen Sie die Vorteile Ihres aussergewöhnlichen Werdegangs?

Die Tatsache, dass ich ein Doktorat habe, war immer wieder sehr hilfreich, vor allem auch in der Privatwirtschaft. Noch wichtiger aber war, dass ich als Teenager ein Austauschjahr in den USA erleben durfte und so einerseits ein Bildungssystem kennenlernte, dessen Vorzüge auch bei uns oft als Referenz angesehen werden und mir anderseits die Sprache gründlich aneignen konnte. Zu Beginn meiner Zeit in der AUM nahm ich an einer Studienreise einer Expertengruppe der FMH in die USA teil, um die Reform-Curricula führender Fakultäten und deren Unterrichtsmethoden und Lernmaterialien kennenzulernen. Diese Erfahrung war prägend, ich erhielt Einblick in eine neue Welt. Die Erweiterung des Horizonts war gewaltig, das Interesse für geeignete Lernumgebungen war geweckt und ist mir bis heute Ansporn für meine Aktivitäten geblieben. Das Glück meines nach aussen völlig zufälligen Werdegangs ist, meine Haltung gegenüber Lernenden schliesslich in einer Tätigkeit ausdrücken zu können, in der auch meine so unterschiedlichen Berufserfahrungen gefragt sind. Modellhaft an meinem Werdegang ist vielleicht meine Zuversicht, schliesslich einen erfüllenden Platz in der Berufswelt zu erreichen.

Welche strukturellen Veränderungen wünschen Sie sich an den Universitäten?

Erstens wünsche ich mir eine weitere, deutliche Aufwertung der Lehre. Engagement und Können bei der Ausbildung unserer Studierenden sollte die Anerkennung und den Stellenwert erhalten, den sie verdient. Dies ist nur durch Strukturveränderungen möglich. Zweitens wünsche ich mir Bedingungen, die es unserem akademischen Nachwuchs ermöglicht, sich zu entfalten, ohne unsinnige Opfer erbringen zu müssen. 

Welche Tipps geben Sie NachwuchswissenschaftlerInnen?

Sie sollen versuchen, eine möglichst menschenwürdige Arbeit zu finden. Das Wichtigste ist, den Mut zu haben, seinen Interessen und Neigungen nachzugehen. Die Uni bietet tolle Nischen finden, in denen man sich entfalten kann.

 

Wie verbringen Sie Ihre Zeit?

Prozentual Stunden pro Tätigkeit in einer durchschnittlichen Woche:

Zeitdiagramm von P. Stucki, Universität Bern
© Christa Heinzer